Ostdeutschland - Meine Geschichte, Meine Stimme
Ich bin ein Kind der DDR, geboren in eine Zeit, die heute oft nur durch die Linse der Politik betrachtet wird. Doch meine Erinnerungen sind lebendig, bunt und geprägt von Gemeinschaft. Als Babyboomer habe ich eine Kindheit erlebt, die unbeschwert war - getragen von Werte, die mir meine Eltern vermittelte: Respekt, Fleiß, Zusammenhalt.
Mein Vater war Lehrer und Direktor, meine Mutter Lohnbuchhalterin. Sie haben mir beigebracht, dass Bildung nicht nur Wissen bedeutet, sondern Haltung. Auch wenn meine Schulnoten hätten besser sei können - bei mehr Fleiß - so war die Schulzeit doch geprägt von echtem Miteinander. Wir haben gestritten, gelacht, uns versöhnt, Manöver Schneeflocke und Klassenfahrten gemeinsam erlebt. Chor, Sportwettkämpfe, praktische Arbeit im Unterricht - das war kein Zwang, sondern Teil einer Lebensschule.
Die Unterschiede zwischen uns Kindern waren gering. Es zählte nicht was man hatte, sondern wer man war. Es war auch nie ein Thema unter den Erwachsenen. Als Kinder hatten wir unseren Spaß beim gemeinsamen Spielen. Diese Erfahrung hat mich geprägt - und sie fehlt mir heute oft. Heute ist es Selbstdarstellung.
Nach der Schule bin ich meinen Weg gegangen. Ich musste mich nicht verpflichten, hatte keine persönlichen Nachteile. Ich wurde Filialleiterin in einem Schuhgeschäft - mit Leidenschaft und Verantwortung. Doch mit der Wende änderte sich alles. Entscheidungen, die ich früher selbst traf, wurden mir genommen. Ich wurde nicht mehr gefragt. Das Team, das ich führte, zerfiel in einem System, das mich nicht mehr kannte.
Heute bin ich weiterhin aktiv - denn Organisieren ist meine Leidenschaft. Ich freue mich, Klassentreffen/Blockfest zu organisieren, bei denen der Zusammenhalt von damals spürbar wird. Es sind diese Begegnungen, die zeigen, wie stark unsere Gemeinschaft war und ist.
Was ich mir wünsche? Dass man uns Ostdeutsche zuhört. Dass Politik und Medien aufhören, uns etwas zu unterstellen, was wir nicht sind. Wir haben vieles gelernt, wovon die Gesellschaft heute profitiert. Es ist Zeit, Vorurteile abzubauen, Erfahrungen zu respektieren und gemeinsam die Zukunft zu gestalten ohne Ausgrenzung, ohne Ausnutzung.
Meine Geschichte hat mich geprägt. Ich wünsche mir, dass endlich aufgehört wird, uns zu bevormunden - von Menschen, die hier nie gelebt haben. Für ein besseres Miteinander brauchen wir Respekt statt Belehrung. Wir verschwenden zu viel Zeit mit sinnlosen Diskussionen, weil unsere Erfahrungen und unsere Geschichte nicht akzeptiert werden.
