Gute Kalkulation - zwischen Gefühl,Verantwortung und Realität
Wenn ich einkaufe, backe oder koche, denke ich oft als Unternehmerin. Ich kalkuliere: Was kosten die Zutaten? Mit wieviel Prozent kalkuliere ich den Endpreis? Welcher Verkaufspreis wäre erzielbar? Und manchmal frage ich mich: Warum wird in der Wirtschaft oft anders gerechnet?
Ich erinnere mich an meine Zeit im Schuhgeschäft. Wir hatten überschaubare Bestände, wir kannten unsere Kundschaft. Ich war für den Einkauf verantwortlich und kaufte mit Bedacht. Ich kalkulierte den Verkaufspreis, und konnte diesen auch steuern, wenn der Abverkauf nicht den erwünschten Erfolg brachte. Die Filialleiterin eines anderen Geschäft arbeitete anders. Die Filiale war für den neuen Betreiber lokrativer. Da die Kosten der Lagerware für den neuen Betreiber zu hoch waren, wurden Warenbestände an unsere Filiale umgelagert. Unser Lager füllte sich mit Waren, die ich weder eingekauft noch kalkuliert hatte.
Heute sehe ich Berichte im Fernsehen und frage mich, warum sind Lagerhallen voll - und trotzdem wird weiter produziert. Ich frage mich: Wer kalkuliert? Und für wen? Wer denkt an die Waren, die nur Geld kosten, weil sie nicht verkauft werden? Das Resultat: Kein Umsatz. Lagerware.
Gute Kalkulation ist für mich mehr als Zahlen: Sie ist:
- Verantwortung gegenüber dem was ich einkaufe - denn jedes Produkt ist gebundenes Kapital.
- Vertrauen in die Menschen, die kaufen - denn sie spüren, ob etwas ehrlich kalkuliert ist.
- Verzicht auf Übermaß - denn zu viel ist nicht immer besser.
- Verbindung zwischen Gefühl und Verstand - denn gute Kalkulation braucht beides.
Fahrgeschäfte und die Frage nach Teilhabe
Wenn ich auf Volksfesten oder Stadtfesten unterwegs bin, beobachte ich oft die Fahrgeschäfte. Manche sind leer, andere besser besucht, aber wenige, die voll ausgelastet sind. Die Preise variieren stark. Ich frage mich: Was wäre, wenn die Betreiber mit moderaten Preisen und voller Auslastung mehr Menschen erreichen - und vielleicht sogar mehr Umsatz machen?
Ein Beispiel für Kalkulation im sozialem Blick:
- Hohe Preise bedeuten oft Ausschluss - besonders für Familien mit mehreren Kindern
- Moderate Preise könnten mehr Teilhabe ermöglich - und zugleich wirtschaftlich sinnvoll sein.
Aber viele Betreiber kalkulieren anders: Sie setzen auf wenige zahlenden Gäste mit hohen Preisen, statt auf viele mit fairen Preisen. Vielleicht fehlt der Mut, vielleicht die Erfahrung - vielleicht auch das Vertrauen.
Auch ich bin ein Fan von Fahrgeschäften, jedoch bin ich der Meinung, dass der Fahrpreis falsch kalkuliert wird. Man sollte nicht die Standgebühren für vieles verantwortlich machen. Die Zusammenarbeit mit Schulen könnte eine Möglichkeit sein, Kinder und Familien mit einem stark rabattierten Preis an, bestimmten Tagen und Uhrzeiten, zu locken.
